{"id":346,"date":"2015-11-04T13:18:44","date_gmt":"2015-11-04T12:18:44","guid":{"rendered":"http:\/\/grundel\/wp_joergbohlen\/?p=346"},"modified":"2015-11-04T13:24:15","modified_gmt":"2015-11-04T12:24:15","slug":"pirate-perch-german","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.joerg-bohlen.de\/?p=346","title":{"rendered":"Pirate perch (german)"},"content":{"rendered":"<p>In den Gew\u00e4ssern Nordamerikas gibt es eine ganze Reihe von endemischen Fischfamilien, die keine Entsprechung innerhalb der europ\u00e4ischen Fischfauna haben, wie zum Beispiel die Sonnenbarsche (Centrachidae) oder die Zwergschwarzbarsche (Elassomatidae). Zu diesen endemischen Familien geh\u00f6ren auch die Piratenbarsche, Aphredoderidae, mit nur einer Gattung und Art: dem Piratenbarsch Aphredoderus sayanus (Abb. 1). Er steht den (ebenfalls endemisch nordamerikanischen) Ambliopsidae (H\u00f6hlenfischen) nahe, mit denen er sich einige anatomische Besonderheiten teilt. Die auff\u00e4lligste Gemeinsamkeit ist die Position des Afters, der sich bei adulten Fischen nicht nahe der danach benannten Afterflosse befindet, sonder an der Kehle zwischen den unteren R\u00e4ndern der Kiemendeckel (Abb. 2). Bei jungen Piratenbarschen von 2 cm L\u00e4nge befindet sich der After noch an der \u201erichtigen\u201c Position, doch mit fortschreitendem Wachstum wandert er immer weiter nach vorne, bis er bei adulten Exemplaren die Position an der Kehle einnimmt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.joerg-bohlen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Aphredoderus1.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\" size-medium wp-image-347 alignleft\" src=\"http:\/\/www.joerg-bohlen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Aphredoderus1-300x171.jpg\" alt=\"Aphredoderus1\" width=\"300\" height=\"171\" srcset=\"http:\/\/www.joerg-bohlen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Aphredoderus1-300x171.jpg 300w, http:\/\/www.joerg-bohlen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Aphredoderus1.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a> Der Piratenbarsch, Aphredoderus sayanus, ist die einzige Art in der Familie Aphredoderidae, eine der endemischen Familien von Suesswasserfischen in nordamerika.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Piratenbarsche haben ein weites Verbreitungsgebiet, das sich in den Niederungen von New York entlang der Atlantikk\u00fcste und der Golfk\u00fcste und hinauf ins Mississippigebiet erstreckt. Bewohnt werden stehende oder schwach fliessende B\u00e4che, T\u00fcmpel oder Flussufer mit dichter Vegetation oder anderen Versteckm\u00f6glichkeiten, z.B. dicken Bl\u00e4tterschichten oder Wurzelwerk (Abb. 3). In diesen Gew\u00e4ssern findet man oft eine Vielzahl anderer, teilweise bei Aquarianern bekanntere Fischarten, z.B. Arten der Gattungen Elassoma, Centrarchus oder Enneacanthus. Aufgrund ihrer versteckliebenden Lebensweise gelten Piratenbarsche in manchen Gegenden als selten oder schwer zu fangen. Oft liegt es aber nur an der verwendeten Methode (z.B. die in USA beliebten \u201aminnow seines\u2018), wenn Piratenbarsche schlecht erfasst werden. Zwei weitere nicht zutreffende Anekdoten \u00fcber den Piratenbarsch betreffen sein Verhalten gegen\u00fcber Beckengenossen und sein Brutverhalten: kein Geringerer als Charles C. Abbott berichtete, dass A. sayanus sich im Aquarium extrem aggressiv verh\u00e4lt, Beckengenossen umbringt und mit seinem schwarzen Augenstreifen obendrein wie ein Pirat aussehe; dieser Bericht brachte dem Fisch den Namen Piratenbarsch ein. Das zweite Ger\u00fccht besagt, dass Piratenbarsche wie die Ambliopsidae Kiemenbr\u00fcter seien, d.h. die befruchteten Eier bis zum Schlupf in der Kiemenh\u00f6hle aufbewahren. Dieses Ger\u00fccht wurde durch erfolgreiche Aquarienzuchten widerlegt, demnach legt der Piratenbarsch seine klebef\u00e4higen Eier vielmehr in dichte Struktur, es gab sogar Anhaltspunkte f\u00fcr Nestbau und Pflege der Brut durch ein Elternteil.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.joerg-bohlen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Aphredoderus2.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\" size-medium wp-image-348 alignleft\" src=\"http:\/\/www.joerg-bohlen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Aphredoderus2-300x200.jpg\" alt=\"Aphredoderus2\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"http:\/\/www.joerg-bohlen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Aphredoderus2-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.joerg-bohlen.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Aphredoderus2.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a> Ein interessantes Phanomen bei Piratenbarschen ist die Tatsache, dass der After bei adulten Tiere an der Kehle zu finden ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Aquarium ist der Piratenbarsch ein sehr ruhiger Vertreter, der eindeutig nachtaktiv ist. Die Hellstunden verbringen sie in einer Deckung, w\u00e4hrend sie in der Dunkelheit herauskommen und wie schwerelos knapp \u00fcber den Grund dahinziehen. Piratenbarsche gleiten \u00fcberaus vorsichtig und elegant durchs Becken, und stellen einen faszinierenden Anblick dar. W\u00e4hrend des Gleitens stellt sich der Fisch meist ein wenig schr\u00e4g mit den Kopf abw\u00e4rts und sucht den Grund nach Fressbarem ab. Gefressen werden alle Lebend- oder Frostfuttermittel, wie Regenw\u00fcrmer, rote M\u00fcckenlarven oder Fleischst\u00fcckchen. Kleine Fische werden ebenfalls als Futter angesehen; gegen\u00fcber Fischen, die zu gross als Futter sind, gibt es keine Beachtung. Grosse Piratenbarsche sind etwas unfreundlich gegen\u00fcber kleineren Artgenossen, so dass das Becken nicht zu klein und mit ausreichend Versteckm\u00f6glichkeiten eingerichtete sein sollte und reichlich gef\u00fcttert werden sollte. Da die Weibchen gr\u00f6sser sind als die M\u00e4nnchen, k\u00fcmmern sonst die M\u00e4nnchen.<\/p>\n<p>Aufgrund ihrer zur\u00fcckgezogenen Lebensweise h\u00e4lt man Piratenbarsche am besten im Artbecken. Ausserdem verhindert die nachtaktive Lebensweise sicher eine weite Verbreitung als Aquarienfisch, aber es handelt sich sicherlich um einen sehr ungew\u00f6hnlichen Fisch, und interessierte Aquarianer sollten eine Gelegenheit, den Fisch zu pflegen, wahrnehmen.<\/p>\n<p>(Erschienen als Fischspot in Aquaristik Fachmagazin 172, Aug\/Sept 2003, 29-30 und abgedruckt mit freundlicher Genehmigung von H.-J. Herrmann, Tetra-Verlag, Berlin)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den Gew\u00e4ssern Nordamerikas gibt es eine ganze Reihe von endemischen Fischfamilien, die keine Entsprechung innerhalb der europ\u00e4ischen Fischfauna haben, wie zum Beispiel die Sonnenbarsche (Centrachidae) oder die Zwergschwarzbarsche (Elassomatidae). Zu diesen endemischen Familien geh\u00f6ren auch die Piratenbarsche, Aphredoderidae, mit nur einer Gattung und Art: dem Piratenbarsch Aphredoderus sayanus.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0},"categories":[3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.joerg-bohlen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/346"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.joerg-bohlen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.joerg-bohlen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerg-bohlen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerg-bohlen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=346"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/www.joerg-bohlen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/346\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":353,"href":"http:\/\/www.joerg-bohlen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/346\/revisions\/353"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.joerg-bohlen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=346"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerg-bohlen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=346"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.joerg-bohlen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=346"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}