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In: Riehl, R. & H. Greven (Eds.): Fortpflanzungsbiologie der Aquarienfische (2), Schmettkamp-Verlag, Bornheim: 69-78 (1999)

Zur Fortpflanzungsbiologie der Zwergschwarzbarsche (Elassomatidae)

Bohlen J. & A. Nolte

 

Zusammenfassung

Die Familie Elassomatidae (Zwergschwarzbarsche) umfaßt eine Gattung, Elassoma, mit sechs beschriebenen Arten. Auf der Basis von vergleichenden Beobachtungen an allen Arten im Aquarium wird die Fortpflanzungsbiologie dieser Fische vorgestellt. Während der Fortpflanzungszeit ist allen Arten gemeinsam ein ausgeprägter, kontrastbildender Sexualdichromatismus. Bei den Männchen sind aggressionsauslösende dunkle Zeichnungselemente verstärkt (je nach Art Flecken, Querbänder, Grundfärbung), bei den Weibchen sind diese aufgelöst. Ein Sexualdimorphismus in der Körpergröße, der Flossengröße und der Wirbelzahl ist nicht nachweisbar, jedoch tragen die Männchen mehr und größere Zähne auf den Prämaxillaren. Die Männchen aller Elassoma-Arten sind während der Fortpflanzungszeit territorial, gemeinsame Verhaltensweisen sind zudem die Grundbestandteile ihrer flatternden Balz, das anschließende Führungsschwimmen sowie der Vorgang des Ablaichens. Nestbau und Brutpflege waren bei keiner Art nachweisbar. Irrtümlich aufgenommene Larven werden wieder ausgeblasen. Bei allen Arten existiert eine enge Bindung an dichte Vegetation als Laichsubstrat. Die Weibchen wählen unter den balzenden Männchen den Laichpartner. Adulte Zwergschwarzbarsche fressen keine Embryonen und Larven der eigenen Gattung. Die Fische sind Portionslaicher; zwischen den einzelnen Portionen können mehrtägige bis mehrwöchige Intervalle liegen. Die Eier einer Portion werden in einem einzigen Laichakt abgegeben. Sie besitzen eine sehr dünne Eihülle mit einer dicken, gallertartigen Außenschicht. Die Kombination der genannten Merkmale findet sich bei anderen Fischfamilien nicht. Damit kann die Fortpflanzungsbiologie als komplexes Merkmal die Elassomatidae charakterisieren. Der Nutzen für aktuelle Fragen der Taxonomie ist jedoch begrenzt, da viele der Einzelmerkmale in anderen Fischfamilien mehrfach unabhängig entwickelt wurden.

 

Summary

The family Elassomatidae (pygmy sunfish) comprises only one genus, Elassoma, with six valid species. On the basis of comparative observations in aquaria the reproductive biology of all species is described. All species show a strong contrasting sexual dichromatism. Depending on the species reproductive males pronounce the aggression triggering dark coloration while females largely reduce those patterns. Regarding body proportions or fin size a sexual dimorphism does not exist, but males have more and bigger teeth in the premaxillaries. Males of all species are territorial during reproductive season. Furthermore, the basic elements of their courtship, the leading of the female to the spawning site and the process of spawning are very similar. Nest building or care for the fry could not be observed but larvae are blown out when captured erroneously as prey. Furthermore, spawning in Elassoma-species is characterised by female choice and strict use of dense vegetation as substrate for the eggs. They are fractional spawners spawning several times in one season with intervals of a few days to several weeks. All eggs of a clutch are expelled at once. The eggs possess a thin egg envelope with an extremely thick gelatinous outer layer. The combination of the different characters mentioned does not occur in other teleost families. Therefore, this set of reproductive traits can be considered as a complex useful to characterise the Pigmy sunfish in addition to their structure. However, the phylogenetic value of this complex remains to be elucidated because many of the single traits have evolved independently in different teleosts.